Schwerpunkt: Prüfungen vorbereiten
Auszüge aus dem Inhalt:
Das Leiden an der Prüfung
"Vermutlich werden Sie die Symptome von Prüfungsangst selbst gut kennen. Vielleicht leiden Sie unter der nervösen Unruhe, die sich eingestellt hat, seitdem Sie sich offiziell zur Prüfung in Ihrem Studienfach angemeldet haben und die Sie seither nie mehr so ganz verlässt. Oder Sie wachen morgens mit einem unguten Gefühl im Bauch auf und können zum Frühstück gar nichts herunterbringen, weil Ihr Magen wie zugeschnürt ist.
Sehr verbreitet ist die Befürchtung, den „Riesenberg an Arbeit“, der mit der Prüfungsvorbereitung ansteht, „überhaupt nicht schaffen zu können“. Das macht mutlos und verzagt und gibt häufig Anlass dazu, es dann gar nicht erst zu versuchen.
Charakteristisch für Prüfungsangst ist auch, dass die Gedanken vorwiegend um mögliche negative Wendungen in der Prüfung kreisen: Der Prüfer wird eine völlig unerwartete Frage stellen, er wird „auf Lücken prüfen“. Und dann droht ein „schlimmes Ende“ mit peinlicher Selbstdarstellung und schlechtem Abschneiden. Solche Besorgnis erregenden Gedanken stören ganz erheblich, wenn sie spätabends auftreten, das Einschlafen und die nächtliche Erholung.
Auf jeden Fall sind die Gefühle, die mit Prüfung verbunden sind, vorwiegend unangenehm. Anders als beim Fernsehkrimi, der auch mit Angst und Gefahr in Kontakt bringt, stellt sich kein angenehmer Erregungspegel ein. Nur wenige sehen einer Prüfung freudig entgegen und begrüssen sie als Gelegenheit, nun endlich zeigen zu können, dass sie „was zu bieten haben“.
Das mag vielleicht auf Sportler zutreffen, die für einen Wettkampf trainiert haben, oder auf Kandidaten, die sich freiwillig zu einer Fernseh-Quizsendung melden.
Für die meisten Menschen sind Prüfungen ein Stress. Sie verlangen, Leistung und Wissen unter Beweis zu stellen und sich dafür beurteilen zu lassen. Für Leistungen bewertet zu werden hat für viele seit der Schulzeit und auf Grund der elterlichen Erziehung einen negativen Beigeschmack. Das macht sie wenig attraktiv. Vielmehr geraten die bedrohliche Aspekte in den Vordergrund:
- Der drohende Schaden, der mit dem Durchfallen einhergeht, und die daraus resultierenden „Kosten“, wie z.B. nicht nur die Prüfung, sondern vielleicht sogar das ganze Semester wiederholen zu müssen.
- Prüfungen sind nicht zu hundert Prozent kalkulierbar. Es kann tatsächlich etwas passieren, was nicht zu erwarten war und zu einem schlechten Ergebnis führt.
- Ein mögliches schlechtes Abschneiden kann den empfindlich treffen, der viel mehr von sich erwartet hat als eine mittelmässige Note. Es stellt die eigene Selbstachtung in Frage.
Unter Prüfungsangst zu leiden ist aber kein Schicksal; man kann etwas dagegen tun! Es gibt gute Strategien, mit denen Sie Ihrer Prüfungsangst wirksam begegnen können. Dafür ist allerdings erforderlich, dass Sie die folgenden Vorraussetzungen mitbringen:
Das Interesse an einer Klärung des Phänomens „Prüfungsangst“.
- Die Bereitschaft, Ihre Sichtweise von Prüfung und den Rollen, die Prüfer und Prüfling darin spielen, in Frage zu stellen.
- Die Offenheit, Ihre eigenen Strategien der Prüfungsvorbereitung einer Revision zu unterziehen.
- Die Neugier auf andere, effizientere Planungs- und Lernmethoden und die Bereitschaft, diese auf Ihre Prüfungsvorbereitung anzuwenden.
- Die Motivation, neue Wege zu erproben, wie Sie auf Ihre Prüfungsangst direkt einwirken können.
Dieses Buch will Ihnen Empfehlungen und Strategien vermitteln, die in zahlreichen Workshops für Prüfungskandidaten entwickelt und erprobt worden sind. Es wird Ihnen dabei helfen, Ihren Umgang mit Prüfung, Prüfern und Prüfungsangst zu verbessern und beim Examen erfolgreich abzuschneiden."
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